December 2009 Archive

Scheitern erlaubt? | 17.12.2009

Wie viele andere beobachte ich zur Zeit Kopenhagen. Und glaube inzwischen, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn es scheitert. Zumindest wäre es besser, als wenn es einen faulen Kompromiss gibt – und danach sieht es im Moment aus. Was wird passieren, wenn es eine Einigung gibt? Alle werden sich auf die Schultern klopfen und sagen “wir haben unsere Arbeit getan”. Eine solche Einigung kann aber nach jetzigem Stand weder eine Beschränkung für China enthalten noch einen relevanten Abbau in den USA.

Vielleicht wäre es besser, wenn die Einigung völlig scheitert, z.B. durch Blockade von kleinen Staaten oder vom afrikanischen Vertreter. Dann wäre die Möglichkeit da, von Nichtregierungsseite zu mobilisieren. Die staatlichen Vertreter müssten zugeben, dass sie nicht in der Lage waren, die wirklich wichtigen Themen wirklich anzugehen. Und es werden neue Formen der nicht-staatlichen Demokratisierung entstehen, gleichzeitig wird der Druck auf einzelne Regierungen massiv zunehmen.

Also: Ich glaube Kopenhagen ist eine einmalige Chance nicht nur für den Klimaschutz, sondern allgemeiner für ein globales Bewusstsein. Aber ein Scheitern, so schade es wäre, wäre ebenso eine Chance und besser als ein fauler Kompromiss.

Update: Kopenhagen ist gescheitert und das war nicht gut so. Die Audio-Protokolle sind erschreckend und zeigen die Hilflosigkeit der Mächtigsten.

Mit Sicherheit selbständig | 15.12.2009

Ich war noch nie wirklich fest angestellt, nur als Zivi und als studentische Hilfskraft. Deshalb kenne ich Festanstellungen hauptsächlich von der anderen Seite – als Unternehmer und Arbeitgeber.

Immer wieder höre ich von festangestellten Freunden, dass sie keinen Einfluss auf ihr Gehalt haben, dass sie ihre Leistung als mittelmäßig empfinden und dass sie insgesamt nicht das tun, was sie gerne tun würden. Und die Schlussfolgerung? Sie bleiben, wo sie sind.

Der meistgenannte Grund ist die Sicherheit. In Zeiten der Krise ist dies nur eine gefühlte Sicherheit – außer man ist schon sehr lange dabei _und_ hat Familie und Kinder. Aber auch dann ist das große Problem, dass man keinen Einfluss auf seine Situation hat. Als mittelständisches Unternehmen kann man fast alles rechtfertigen, durch kreative Umstrukturierungen und Verlagerungen jede Abteilung kleinreden oder schließen.

Wenn man selbständig ist trägt man Risiken – Kunden können abspringen oder pleite gehen, Lieferanten können einen hängen lasen und Produkte können fehlerhaft sein. Der Unterschied ist: Man ist selbst verantwortlich oder kann zumindest etwas bewirken. Wenn man zu wenig Kunden hat, muss man rechtzeitig akquirieren. Wenn etwas nicht fertig ist, kann man selbst dafür sorgen, dass es fertig wird (das geht vor allem im Softwarebereich). Das hat seine Grenzen – man ist von Investoren, Banken und der Leistung von Mitarbeitern abhängig. Aber in den meisten Fällen kann man beruhigt sagen: Ich bin selber schuld.

Ich glaube nicht, dass Selbständigkeit etwas für jeden ist. Aber ich glaube für jeden, der selbstbestimmt die Sachen machen möchte, die wirklich wichtig findet. Das ist die Grundlage, alles andere lässt sich lernen.