Die TEDx Hamburg war toll. In diesem Artikel will ich nicht alle Vorträge zusammenfassen, sondern nur meine Highlights herausstellen.
Über die Konferenz
Nur ganz kurz: Die Location war super (kannte ich nur von Tanzveranstaltungen), das Catering war gut (der Kaffee könnte besser sein, richtig guter Kaffee scheint aber ein Problem auf Konferenzen zu sein). Das Format der TEDx ist für seinen Zweck (inspirieren, anstoßen) sehr gut, die Talks gehen nicht so tief, können sich dafür aber auf einen Kernpunkt konzentrieren (bei einigen Vorträgen fragt man sich, ob es sich lohnt, die Vortragenden für 20 Minuten eingeflogen zu haben). Für das Networking wünscht man sich irgendein interaktives Format oder eine Ausstellung, ich vermute aber, dass die TEDx Lizenz das nicht zulässt. Beim Thema “Reboot the future” hätte ich noch mehr direkt auf Nachhaltigkeit bezogene Talks erwartet, da wären einige Talks auf dem WUD sehr passend gewesen.
Meine Highlights
Der Star der Show war – überraschend –
Professor Ernst Pöppel, ein Neurowissenschaftler, der Modelle des Zeitverstehens erklärte und den derzeitigen Stand zeigte, wie wir die Gegenwart wahrnehmen und wie man das im Alltag auch feststellen kann – in der Musik oder in der Sprache. Dabei brachte er aber ganz nebenbei so viele Wahr- und Weisheiten in seinem Vortrag unter und war so unglaublich unterhaltsam, dass er eine Zugabe geben musste, wahrscheinlich etwas sehr seltenes auf einer TED-Konferenz.
Weiteres Highlight waren die Entrepreneure
Jeroo Billimoria und
Bart Weetjens, die einfach ganz normale Menschen waren. Auf vielen Konferenzen sprechen ganz fürchterlich wichtige Leute, die auch so gestylt sind. Diese beiden sind ganz normale Menschen “von nebenan”, die auch sagen, dass man einfach das nutzen muss, was man weiß und was gebraucht wird – und dann etwas draus macht. Beide nutzten ganz einfache Mittel (Telefone/Ratten), passten sie an lokale Gegebenheiten an, ließen sich nicht durch fehlende Unterstützung aufhalten und haben jetzt unheimliche Erfolg – und Wirkung.
Und das dritte Highlight war
ein Video, das gezeigt wurde. Den Titel “Gaming can make a better world” fand ich eher merkwürdig, aber
Jane McGonigal ist einfach eine unglaublich tolle Rednerin und ihr Punkt hat auch Substanz, auch wenn sie überspitzt. Menschen sind unglaublich produktiv in Spielen und Menschen sind viel motivierter, etwas Herausragendes zu leisten, es auch immer und immer wieder zu probieren. In der realen Welt führen Probleme viel schneller zu Frustration, niemand versucht in der realen Welt einen “Epic Win”. Jane ist Spieledesignerin, einige ihrer Ideen aus World of Warcraft:
- da sind viele, die uns helfen bei unserer Mission, die Welt zu retten
- die Mission, die wir bekommen, passen zu unserem derzeitigen Level. Sie ist schwierig, aber nie zu schwierig
- es gibt keine Tatenlosigkeit, keine Arbeitslosigkeit – immer ist etwas Wichtiges zu tun
- die epische Story begründet, warum wir da sind, warum wir das machen, was wir machen.
- positives Feedback: Man steigt Levels hoch und bekommt Boni
Ein paar Statistiken von der Sprecherin: Alle Spieler von WoW haben zusammen 5.93 Millionen Jahre in der Welt verbracht. Kinder haben heutzutage mit 21 Jahren 10.000 Stunden Spielerfahrung. Nach Jane entstehen so “Super-empowered hopeful individuals” mit vier Superkräften: Urgent Optimism, Social Fabric, Blissful productivity, Epic meaning.
Sehr schön finde ich “Urgent Optimism”: An epic win is always possible.
Das Ziel von Jane McGonigal sind Spiele, die die Welt wirklich verändern. Und ich glaube ihr, dass das geht:
http://www.urgentevoke.com. Vielleicht zeigt ihr Ansatz aber auch Fehler in der realen Gesellschaft, vielleicht muss man Teile der Gesellschaft (Schule? Ausbildung? Sportvereine?) ein bisschen mehr wie ein Spiel aufbauen. Ich bin da vorsichtig und ja in Schule und Ausbildung immer eher der Meinung, dass Lernen keine Dienstleistung sein kann (“lern mich mal was”), sondern sich Schüler alles selbst erarbeiten müssen. Aber vielleicht sollte man ihnen immer etwas geben, was auf ihrem Level ist, ihnen ein episches Ziel geben und reichlich positives Feedback.
Die abstrakte Ebene
Ich denke das abstrakte Thema dieser Konferenz war, wie man verändernde Kräfte aufbaut. Wie man:
- Was es für Grundlagen für Innovationen gibt (Pöppel, Barlow)
- Wie man Ideen für Veränderung entwickelt (Putz, Kufus, Sauter, McGonigal)
- und wie man dann einfach startet und durchhält (Billimoria, Weetjens, Hill, Schierhorn)
Im Sinne von “Reboot the future”: Gelungen!