May 2010 Archive

TEDx Hamburg: Highlights | 28.05.2010

Die TEDx Hamburg war toll. In diesem Artikel will ich nicht alle Vorträge zusammenfassen, sondern nur meine Highlights herausstellen.

Über die Konferenz

Nur ganz kurz: Die Location war super (kannte ich nur von Tanzveranstaltungen), das Catering war gut (der Kaffee könnte besser sein, richtig guter Kaffee scheint aber ein Problem auf Konferenzen zu sein). Das Format der TEDx ist für seinen Zweck (inspirieren, anstoßen) sehr gut, die Talks gehen nicht so tief, können sich dafür aber auf einen Kernpunkt konzentrieren (bei einigen Vorträgen fragt man sich, ob es sich lohnt, die Vortragenden für 20 Minuten eingeflogen zu haben). Für das Networking wünscht man sich irgendein interaktives Format oder eine Ausstellung, ich vermute aber, dass die TEDx Lizenz das nicht zulässt. Beim Thema “Reboot the future” hätte ich noch mehr direkt auf Nachhaltigkeit bezogene Talks erwartet, da wären einige Talks auf dem WUD sehr passend gewesen.

Meine Highlights

Der Star der Show war – überraschend – Professor Ernst Pöppel, ein Neurowissenschaftler, der Modelle des Zeitverstehens erklärte und den derzeitigen Stand zeigte, wie wir die Gegenwart wahrnehmen und wie man das im Alltag auch feststellen kann – in der Musik oder in der Sprache. Dabei brachte er aber ganz nebenbei so viele Wahr- und Weisheiten in seinem Vortrag unter und war so unglaublich unterhaltsam, dass er eine Zugabe geben musste, wahrscheinlich etwas sehr seltenes auf einer TED-Konferenz.
Weiteres Highlight waren die Entrepreneure Jeroo Billimoria und Bart Weetjens, die einfach ganz normale Menschen waren. Auf vielen Konferenzen sprechen ganz fürchterlich wichtige Leute, die auch so gestylt sind. Diese beiden sind ganz normale Menschen “von nebenan”, die auch sagen, dass man einfach das nutzen muss, was man weiß und was gebraucht wird – und dann etwas draus macht. Beide nutzten ganz einfache Mittel (Telefone/Ratten), passten sie an lokale Gegebenheiten an, ließen sich nicht durch fehlende Unterstützung aufhalten und haben jetzt unheimliche Erfolg – und Wirkung.
Und das dritte Highlight war ein Video, das gezeigt wurde. Den Titel “Gaming can make a better world”  fand ich eher merkwürdig, aber Jane McGonigal ist einfach eine unglaublich tolle Rednerin und ihr Punkt hat auch Substanz, auch wenn sie überspitzt. Menschen sind unglaublich produktiv in Spielen und Menschen sind viel motivierter, etwas Herausragendes zu leisten, es auch immer und immer wieder zu probieren. In der realen Welt führen Probleme viel schneller zu Frustration, niemand versucht in der realen Welt einen “Epic Win”. Jane ist Spieledesignerin, einige ihrer Ideen aus World of Warcraft:
  • da sind viele, die uns helfen bei unserer Mission, die Welt zu retten
  • die Mission, die wir bekommen, passen zu unserem derzeitigen Level. Sie ist schwierig, aber nie zu schwierig
  • es gibt keine Tatenlosigkeit, keine Arbeitslosigkeit – immer ist etwas Wichtiges zu tun
  • die epische Story begründet, warum wir da sind, warum wir das machen, was wir machen.
  • positives Feedback: Man steigt Levels hoch und bekommt Boni
Ein paar Statistiken von der Sprecherin: Alle Spieler von WoW haben zusammen 5.93 Millionen Jahre in der Welt verbracht. Kinder haben heutzutage mit 21 Jahren 10.000 Stunden Spielerfahrung. Nach Jane entstehen so “Super-empowered hopeful individuals” mit vier Superkräften: Urgent Optimism, Social Fabric, Blissful productivity, Epic meaning.
Sehr schön finde ich “Urgent Optimism”: An epic win is always possible.
Das Ziel von Jane McGonigal sind Spiele, die die Welt wirklich verändern. Und ich glaube ihr, dass das geht: http://www.urgentevoke.com. Vielleicht zeigt ihr Ansatz aber auch Fehler in der realen Gesellschaft, vielleicht muss man Teile der Gesellschaft (Schule? Ausbildung? Sportvereine?) ein bisschen mehr wie ein Spiel aufbauen. Ich bin da vorsichtig und ja in Schule und Ausbildung immer eher der Meinung, dass Lernen keine Dienstleistung sein kann (“lern mich mal was”), sondern sich Schüler alles selbst erarbeiten müssen. Aber vielleicht sollte man ihnen immer etwas geben, was auf ihrem Level ist, ihnen ein episches Ziel geben und reichlich positives Feedback.

Die abstrakte Ebene

Ich denke das abstrakte Thema dieser Konferenz war, wie man verändernde Kräfte aufbaut. Wie man:
  • Was es für Grundlagen für Innovationen gibt (Pöppel, Barlow)
  • Wie man Ideen für Veränderung entwickelt (Putz, Kufus, Sauter, McGonigal)
  • und wie man dann einfach startet und durchhält (Billimoria, Weetjens, Hill, Schierhorn)
Im Sinne von “Reboot the future”: Gelungen!

Eine Anzeige | 27.05.2010

Im diesjährigen Jahresmagazin des Kreisjugendrings Stormarn haben wir auf der Rückseite eine Anzeige. Wie alle Prozesse, wo wir unsere eigene Kommunikation gestalten, sehr spannend: Was machen wir wirklich?

Ich finde es sehr gelungen. Nach “Aktive und interaktive Kommunikation” und “Substanz entscheidet” jetzt “Ideen und Konzepte mit Substanz”.

Wir haben übrigens durchaus auch kleine und größere Firmen als Kunden, bei dieser Anzeige heben wir aber natürlich die Organisationen hervor.

Anzeige als PDF

Design thinking könnte den Unterschied machen | 15.05.2010

Al Gore rief einmal in einer Rede Designer dazu auf, eine aktive Rolle zu übernehmen. Die Aussage war, dass die Fakten klar seien und dass jetzt die Botschaft transportiert werden müsse.

Mit der Entwicklung der Begriffe “Experience Design”, “Service Design” und schließlich “Design thinking” in den letzten Jahren wurde klarer, dass Design als Profession insgesamt eine aktivere Rolle bekommt. Design ist keine Disziplin, die “Sachen hübschmacht”.

Kommunikationsdesigner und Informationsarchitekten haben eine Gemeinsamkeit in der Vorgehensweise: Sie analysieren ein System, versuchen es zu verstehen und machen sich dann frei, um eine neue Lösung zu entwickeln.

Dies ist sehr häufig das Gegenteil von der ökonomischen Herangehensweise: Ein BWLer wird immer versuchen, ein System effizienter zu machen – ein bißchen besser, kosteneffizienter, schneller. Eine Veränderung muss kontrolliert und vorhersehbar sein. Das erste, was ich in BWL gelernt habe war das ökonomische Prinzip, in Verbindung mit der Aussage, dass man nur entweder nach dem Minimalprinzip (Aufwandsminimierung) oder nach dem Maximalprinzip (Nutzenmaximierung) vorgehen könne.

Auf diese Weise erreicht man Verbesserung, ohne Frage, eventuell sogar eine große Verbesserung. Aber keine wirkliche Veränderung. Mit effizienteren Autos, die genauso viele Pferdestärken (oder sogar mehr) mit weniger Benzin erzeugen, verändern wir nicht die Welt. Dafür müssen wir über alternative Antriebsformen, eine alternative Organisation des Transportes, über alternative Formen des Lebens nachdenken. Und wenn man in die Kosten-/Nutzen-Relation dann ökologische Kriterien mit aufnimmt ist es dann möglich, gleiche oder eben auch bessere Ergebnisse mit gar keinen Kosten für die Umwelt zu erzielen.

Ein Vorreiter in der Entwicklung von solchen Produkten ist EPEA mit ihrem “cradle to cradle”-Prinzip: EPEA entwickelt gemeinsam mit der Industrie Produkte, die ausschließlich mit zyklischen Nährstoffkreisläufen arbeiten – so wie die Natur. Das Grundprinzip von EPEA ist: Nicht effizienter machen, sondern neu denken, im Sinne von wirklicher Nachhaltigkeit.

Design ist also nicht nur ein Mittel der Kommunikation, sondern auch ein Denkansatz, um wirkliche Veränderung herbeizuführen. Design thinking könnte der Baustein sein, der fehlt, um die Zukunft wirklich zu ändern.