Design thinking könnte den Unterschied machen | 15.05.2010
Al Gore rief einmal in einer Rede Designer dazu auf, eine aktive Rolle zu übernehmen. Die Aussage war, dass die Fakten klar seien und dass jetzt die Botschaft transportiert werden müsse.
Mit der Entwicklung der Begriffe “Experience Design”, “Service Design” und schließlich “Design thinking” in den letzten Jahren wurde klarer, dass Design als Profession insgesamt eine aktivere Rolle bekommt. Design ist keine Disziplin, die “Sachen hübschmacht”.
Kommunikationsdesigner und Informationsarchitekten haben eine Gemeinsamkeit in der Vorgehensweise: Sie analysieren ein System, versuchen es zu verstehen und machen sich dann frei, um eine neue Lösung zu entwickeln.
Dies ist sehr häufig das Gegenteil von der ökonomischen Herangehensweise: Ein BWLer wird immer versuchen, ein System effizienter zu machen – ein bißchen besser, kosteneffizienter, schneller. Eine Veränderung muss kontrolliert und vorhersehbar sein. Das erste, was ich in BWL gelernt habe war das ökonomische Prinzip, in Verbindung mit der Aussage, dass man nur entweder nach dem Minimalprinzip (Aufwandsminimierung) oder nach dem Maximalprinzip (Nutzenmaximierung) vorgehen könne.
Auf diese Weise erreicht man Verbesserung, ohne Frage, eventuell sogar eine große Verbesserung. Aber keine wirkliche Veränderung. Mit effizienteren Autos, die genauso viele Pferdestärken (oder sogar mehr) mit weniger Benzin erzeugen, verändern wir nicht die Welt. Dafür müssen wir über alternative Antriebsformen, eine alternative Organisation des Transportes, über alternative Formen des Lebens nachdenken. Und wenn man in die Kosten-/Nutzen-Relation dann ökologische Kriterien mit aufnimmt ist es dann möglich, gleiche oder eben auch bessere Ergebnisse mit gar keinen Kosten für die Umwelt zu erzielen.
Ein Vorreiter in der Entwicklung von solchen Produkten ist EPEA mit ihrem “cradle to cradle”-Prinzip: EPEA entwickelt gemeinsam mit der Industrie Produkte, die ausschließlich mit zyklischen Nährstoffkreisläufen arbeiten – so wie die Natur. Das Grundprinzip von EPEA ist: Nicht effizienter machen, sondern neu denken, im Sinne von wirklicher Nachhaltigkeit.
Design ist also nicht nur ein Mittel der Kommunikation, sondern auch ein Denkansatz, um wirkliche Veränderung herbeizuführen. Design thinking könnte der Baustein sein, der fehlt, um die Zukunft wirklich zu ändern.
