Eine Anzeige | 27.05.2010

Im diesjährigen Jahresmagazin des Kreisjugendrings Stormarn haben wir auf der Rückseite eine Anzeige. Wie alle Prozesse, wo wir unsere eigene Kommunikation gestalten, sehr spannend: Was machen wir wirklich?

Ich finde es sehr gelungen. Nach “Aktive und interaktive Kommunikation” und “Substanz entscheidet” jetzt “Ideen und Konzepte mit Substanz”.

Wir haben übrigens durchaus auch kleine und größere Firmen als Kunden, bei dieser Anzeige heben wir aber natürlich die Organisationen hervor.

Anzeige als PDF

Design thinking könnte den Unterschied machen | 15.05.2010

Al Gore rief einmal in einer Rede Designer dazu auf, eine aktive Rolle zu übernehmen. Die Aussage war, dass die Fakten klar seien und dass jetzt die Botschaft transportiert werden müsse.

Mit der Entwicklung der Begriffe “Experience Design”, “Service Design” und schließlich “Design thinking” in den letzten Jahren wurde klarer, dass Design als Profession insgesamt eine aktivere Rolle bekommt. Design ist keine Disziplin, die “Sachen hübschmacht”.

Kommunikationsdesigner und Informationsarchitekten haben eine Gemeinsamkeit in der Vorgehensweise: Sie analysieren ein System, versuchen es zu verstehen und machen sich dann frei, um eine neue Lösung zu entwickeln.

Dies ist sehr häufig das Gegenteil von der ökonomischen Herangehensweise: Ein BWLer wird immer versuchen, ein System effizienter zu machen – ein bißchen besser, kosteneffizienter, schneller. Eine Veränderung muss kontrolliert und vorhersehbar sein. Das erste, was ich in BWL gelernt habe war das ökonomische Prinzip, in Verbindung mit der Aussage, dass man nur entweder nach dem Minimalprinzip (Aufwandsminimierung) oder nach dem Maximalprinzip (Nutzenmaximierung) vorgehen könne.

Auf diese Weise erreicht man Verbesserung, ohne Frage, eventuell sogar eine große Verbesserung. Aber keine wirkliche Veränderung. Mit effizienteren Autos, die genauso viele Pferdestärken (oder sogar mehr) mit weniger Benzin erzeugen, verändern wir nicht die Welt. Dafür müssen wir über alternative Antriebsformen, eine alternative Organisation des Transportes, über alternative Formen des Lebens nachdenken. Und wenn man in die Kosten-/Nutzen-Relation dann ökologische Kriterien mit aufnimmt ist es dann möglich, gleiche oder eben auch bessere Ergebnisse mit gar keinen Kosten für die Umwelt zu erzielen.

Ein Vorreiter in der Entwicklung von solchen Produkten ist EPEA mit ihrem “cradle to cradle”-Prinzip: EPEA entwickelt gemeinsam mit der Industrie Produkte, die ausschließlich mit zyklischen Nährstoffkreisläufen arbeiten – so wie die Natur. Das Grundprinzip von EPEA ist: Nicht effizienter machen, sondern neu denken, im Sinne von wirklicher Nachhaltigkeit.

Design ist also nicht nur ein Mittel der Kommunikation, sondern auch ein Denkansatz, um wirkliche Veränderung herbeizuführen. Design thinking könnte der Baustein sein, der fehlt, um die Zukunft wirklich zu ändern.

Scheitern erlaubt? | 17.12.2009

Wie viele andere beobachte ich zur Zeit Kopenhagen. Und glaube inzwischen, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn es scheitert. Zumindest wäre es besser, als wenn es einen faulen Kompromiss gibt – und danach sieht es im Moment aus. Was wird passieren, wenn es eine Einigung gibt? Alle werden sich auf die Schultern klopfen und sagen “wir haben unsere Arbeit getan”. Eine solche Einigung kann aber nach jetzigem Stand weder eine Beschränkung für China enthalten noch einen relevanten Abbau in den USA.

Vielleicht wäre es besser, wenn die Einigung völlig scheitert, z.B. durch Blockade von kleinen Staaten oder vom afrikanischen Vertreter. Dann wäre die Möglichkeit da, von Nichtregierungsseite zu mobilisieren. Die staatlichen Vertreter müssten zugeben, dass sie nicht in der Lage waren, die wirklich wichtigen Themen wirklich anzugehen. Und es werden neue Formen der nicht-staatlichen Demokratisierung entstehen, gleichzeitig wird der Druck auf einzelne Regierungen massiv zunehmen.

Also: Ich glaube Kopenhagen ist eine einmalige Chance nicht nur für den Klimaschutz, sondern allgemeiner für ein globales Bewusstsein. Aber ein Scheitern, so schade es wäre, wäre ebenso eine Chance und besser als ein fauler Kompromiss.

Update: Kopenhagen ist gescheitert und das war nicht gut so. Die Audio-Protokolle sind erschreckend und zeigen die Hilflosigkeit der Mächtigsten.

Mit Sicherheit selbständig | 15.12.2009

Ich war noch nie wirklich fest angestellt, nur als Zivi und als studentische Hilfskraft. Deshalb kenne ich Festanstellungen hauptsächlich von der anderen Seite – als Unternehmer und Arbeitgeber.

Immer wieder höre ich von festangestellten Freunden, dass sie keinen Einfluss auf ihr Gehalt haben, dass sie ihre Leistung als mittelmäßig empfinden und dass sie insgesamt nicht das tun, was sie gerne tun würden. Und die Schlussfolgerung? Sie bleiben, wo sie sind.

Der meistgenannte Grund ist die Sicherheit. In Zeiten der Krise ist dies nur eine gefühlte Sicherheit – außer man ist schon sehr lange dabei _und_ hat Familie und Kinder. Aber auch dann ist das große Problem, dass man keinen Einfluss auf seine Situation hat. Als mittelständisches Unternehmen kann man fast alles rechtfertigen, durch kreative Umstrukturierungen und Verlagerungen jede Abteilung kleinreden oder schließen.

Wenn man selbständig ist trägt man Risiken – Kunden können abspringen oder pleite gehen, Lieferanten können einen hängen lasen und Produkte können fehlerhaft sein. Der Unterschied ist: Man ist selbst verantwortlich oder kann zumindest etwas bewirken. Wenn man zu wenig Kunden hat, muss man rechtzeitig akquirieren. Wenn etwas nicht fertig ist, kann man selbst dafür sorgen, dass es fertig wird (das geht vor allem im Softwarebereich). Das hat seine Grenzen – man ist von Investoren, Banken und der Leistung von Mitarbeitern abhängig. Aber in den meisten Fällen kann man beruhigt sagen: Ich bin selber schuld.

Ich glaube nicht, dass Selbständigkeit etwas für jeden ist. Aber ich glaube für jeden, der selbstbestimmt die Sachen machen möchte, die wirklich wichtig findet. Das ist die Grundlage, alles andere lässt sich lernen.

Was ist wirklich wichtig? | 20.11.2009

Der Nachhaltigkeits-Track auf dem WUD hat mich selbst wieder auf das Thema Nachhaltigkeit gebracht. Sehr wichtig fand ich auch, dass auf dem WUD unheimlich viele Leute mit positiver Energie waren – die Designer, Usability-Experten und Informationsarchitekten wollen in ihren Projekten etwas verändern, sie wollen eben nicht mit dem Status Quo leben.

Ich glaube ja, dass man seine Arbeit so gestalten sollte, dass man wirklich einen positiven Unterschied macht. Und ich bin umgeben von Menschen, die einen Unterschied machen können. Von Designern, Entwicklern, Ingenieuren, Konzeptionern, langfristig denkenden Ökonomen.

Was ist zu tun? Direkt arbeiten wir schon auf mehreren Fronten: Wir machen Kommunikations- und Prozessberatung für Organisationen – wir machen Organisationen effektiver. Organisationen sind ein aktiver Bestandteil der Gesellschaft und machen einen Unterschied bei der Vermittlung von Werten. Weitere Thema ist die Vermittlung von Wissen und Werten. Ich denke hier geht es neben globalen Kampagnen vor allem um lokale Entwicklung: Wir arbeiten mit Schulen, dies würde ich gerne mit Schülerprojekten und Juniorfirmen ausbauen. Wir arbeiten mit lokalen Organisationen an Chancen für behinderte Menschen.

Was fehlt ist noch Aktivität im Bereich von Unternehmen. Hier geht es um die Effizienz von bestehenden Prozessen (grüne Druckproduktion, Umweltmanagement, Abfallreduktion, Logistikoptimierung, Open Source). Aber eben noch mehr um die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen, Produkten und Services (Innovationsmanagement, Kooperationen, neue Medienformen, Mietmodelle).

Ich glaube, Unternehmen haben die größten Handlungsmöglichkeiten. Ich glaube auch, dass man als Unternehmen die professionellste Leistung entwickeln kann. Es gibt viel zu tun. Wir können auch viel tun.

Ich denke, der erste Schritt ist die Entwicklung einer positiven Zukunftsutopie.